Betonoptik an der Wand passt zum Trend des Minimalismus und des Industrial-Stils. Um diese Optik umzusetzen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Es empfiehlt sich, damit Fachleute zu beauftragen, denn Fehler bei der Umsetzung beeinträchtigen das Gesamtergebnis.
Was versteht man unter Betonoptik
Betonoptik ist ein puristisches Gestaltungselement für Wände und Böden, aber auch für andere Flächen. Ziel ist es, den Anschein von Sichtbeton zu erwecken, ohne massiven Beton als Baustoff einzusetzen. Die Wände in Betonoptik können Sie in verschiedenen Farben gestalten. Das Farbspektrum reicht dabei von Hellgrau bis Anthrazit. Mit diversen Techniken geben Sie Ihren Wänden ein cool-minimalistisches bis warmes oder ein lebendiges Design. Dabei empfiehlt es sich, mit verschiedenen Oberflächenstrukturen und Techniken zu experimentieren. Entscheiden Sie, ob ihre Wände glänzend oder matt, glatt oder rau erscheinen sollen. Sogar Schalungsabdrücke wie bei echtem Sichtbeton sind nachzuempfinden.
Warum Betonoptik an der Wand im Trend liegt
Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten ist ein Grund, warum Betonoptik an der Wand im Trend liegt. Die Vorzüge des Betons als Stilmittel erkannten bereits diverse Architekten des 20. Jahrhunderts. Ein Beispiel ist Walter Gropius. Dieser prägte die moderne Architektur und erlangte als Gründer der Bauhaus-Schule in Dessau Bekanntheit. Gropius wandte sich fabrikähnlichen Fassaden und modernen Materialien wie Stahl und Glas zu. Dabei arbeitete er mit anderen Berühmtheiten wie Le Corbusier, Behrens und Mies van der Rohe zusammen.
Wiederentdeckt wurde der Baustoff als Stilmittel mit dem urbanen industriellen Einrichtungsstil. Doch nicht jeder konnte sich ein Loft mit den typischen rauen, unbehandelten Wänden leisten. Daraus entwickelte sich der Trend, den Einrichtungsstil in „normalen“ Wohnungen nachzuempfinden. Offene Küchen wurden ebenso modern wie Wohnwände, Böden und Oberflächen in Betonoptik.
Die Möglichkeiten, Betonoptik in die Wohnung zu integrieren, sind bei verschiedenen Einrichtungsstilen gegeben. Sie passt zum Industrial Style ebenso wie zum Boho- und Landhausstil und zu skandinavischen Einrichtungsstilen. In Betonoptik gestaltete Oberflächen entfalten ihre Wirkung, wenn Sie diese nach dem Vorbild moderner Architekten mit verschiedenen Materialien wie Metall, Glas und Holz sowie mit Wohntextilien kombinieren. Die Einrichtung ergänzen sie mit Pflanzen und anderen Deko-Elementen.
In Küche und Badezimmer sind die praktischen und hygienischen Vorteile deutlich zu erkennen. Ob auf dem Boden oder an den Wänden: Es entstehen langlebige, robuste und fugenlose Flächen in Betonoptik. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie entsprechend behandelt und versiegelt werden. Sie weisen Wasser und Schmutz zuverlässig ab und lassen sich einfach reinigen. Versiegelt widerstehen Sie Feuchtigkeit, Stößen und Abrieb. Kratzer lassen sich punktuell nachbessern. Doch mit welchen Techniken und Mitteln lassen sich Wände in Betonoptik gestalten?
Möglichkeiten im Check
Haben Sie sich dazu entschieden, sich von überladenen Innenräumen zu verabschieden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, können Sie diesen Einrichtungsstil mit Wänden in Betonoptik unterstützen. Den gewünschten Effekt erreichen sie durch verschiedene Techniken und Mittel.
Betonoptik durch Spachteltechnik
Mit der Spachteltechnik erzeugen Profis eine täuschend echte Betonoptik. Sie tragen eine dafür konzipierte Spachtelmasse auf die zuvor grundierte Wand in mehreren Schichten auf. Anschließend strukturieren sie den Auftrag mit einer Venezianer-, Kunststoff- oder ArteTwin-Kelle. Die Ecken der Werkzeuge sind abgerundet, damit der Putz glatt und ohne Kanten auf die Wand aufgetragen werden kann.
Noch authentischer wird der Betoneffekt, wenn die Arbeiter den Putz mit feinen Strichen und Poren versehen. Ist ein glänzender Effekt gewünscht, tragen die Profis eine mineralische Paste auf. Diese schützt zugleich vor Nässe und Verschmutzung.
Beton Ciré und Feinputz
Beton Ciré ist ein Effektputz in Betonoptik. Die aus mineralischem Beton und Kunstharz bestehende Masse heißt aus dem Französischen übersetzt „gewachster Beton“. Aus der Mischung entsteht ein Feinputz, der auf verschiedenen Oberflächen hält. Beton Ciré erhalten Sie in einer großen Auswahl an Farben und auf Wunsch mit beigemischten Metallicpigmenten.
Für eine optimale Betonoptik sind auch bei der Verarbeitung von Beton Ciré Fachleute gefragt. Die Wand sollte für den Auftrag stabil, sauber und trocken sein. Altanstriche sind zuvor zu entfernen. Anschließend trägt das Arbeitsteam den Feinputz in mehreren Schichten, die zusammen sechs Millimeter ergeben dürfen, auf. Empfohlen sind mindestens zwei Millimeter. Zwischen dem Auftragen der einzelnen Schichten sollte der Betonputz nach Herstellerangaben austrocknen. Zudem müssen Schleifarbeiten erledigt und Porenfüller verarbeitet werden. Anschließend erfolgt ein Finish mit gewachstem Beton. Diesen erhalten Sie in Matt, Seidenglanz und Hochglanz.
Tapeten in Betonoptik
Eine Betonoptik mit Putz ist schwer zu entfernen und für Mieter nicht geeignet – es sei denn, sie tragen den Putz auf eine tapezierte Wand auf. Um in den Genuss von Wänden in Betonoptik zu kommen, sind Tapeten in Betonoptik eine mögliche Alternative zum direkten Auftrag auf die Wand. Diese Vliestapeten sind – wie andere Tapeten auch – leicht ablösbar.
Diese Fototapeten gibt es in verschiedenen Grau- und Brauntönen und mit unterschiedlichen Mustern und Schattierungen. Jene können etwa einer rustikalen Stahlbetonwand gleichen oder verziert mit Formblättern oder Wellen sein.
Wandpaneele und Platten im Betonlook
Wandpaneele im Betonlook bieten sich für Mieter an und für Menschen, die keinen teuren Profi für Spachteltechniken beauftragen möchten. Die Paneele wirken jedoch weniger authentisch. Die Polystyrol- oder Kunststoff-Paneele sind jedoch von einem Heimwerker leicht selbst zu verarbeiten, da er diese nur aufzukleben braucht. Der Vorteil ist, dass sie sich einfach ablösen lassen.
Betonfarbe und Effektfarben
Eine einfache Art, in den Genuss von Wänden in Betonoptik zu kommen, ist der Anstrich mit einer Betonfarbe. Diese besteht aus einer Grundfarbe sowie einer Lasur oder Effektfarbe. Für das Finish brauchen Sie einen Spachtel sowie eine Bürste und einen Schwamm.
Echte Betonplatten als Wandverkleidung
Echte Betonplatten als Wandverkleidung lassen sich innen und außen anbringen. Diese erhalten sie in verschiedenen Farben, Strukturen und Mustern. Bei den Platten ist die Schalung glatt gestaltet, damit Heimwerker sie selbst anbringen können.
Betonoptik im Wohnzimmer, Bad und Küche
Im Bad können Sie die Betonoptik vielfältig einsetzen. Fugenlose Wandflächen sind hygienisch und bringen Ruhe in den Raum. Zudem können sie Badmöbel, Waschtische und Ablagen in Betonoptik gestalten. Der Höhepunkt eines modernen Badezimmers ist jedoch eine Dusche in Betonoptik.
Die Farben, die Sie nutzen, werden durch die Größe des Raumes beeinflusst. Für ein kleines Bad eignen sich helle Farben, unter anderem ein fast weißlicher Beton. Helle Farbtöne lassen den Raum größer erscheinen. In einem großen Bad können Sie mit dunkler Betonoptik eine elegante Atmosphäre schaffen.
Im Bad müssen Sie die Oberflächen versiegeln, um sie einfach reinigen zu können und um Schimmelbildung zu vermeiden. Bodenflächen in Betonoptik sollten rutschhemmend gestaltet werden.
Küchen in Betonoptik sind leichter als ihre echten Varianten. Kombiniert werden sie überwiegend mit Holz. Anzutreffen sind auch Küchenarbeitsplatten in Betonoptik, auf denen eine Glasplatte angebracht ist. Dies unterstreicht den Industrial-Look der Küche. Versiegelte Küchenwände in Betonoptik besitzen die Vorteile der Wandflächen in Betonoptik von Bädern.
Wände in Betonoptik wirken zunächst kühl, bilden jedoch ruhige Basisflächen. Weiche Textilien in Naturtönen wie Greige, Oliv, Staubgrau sowie Taupe und warme Holztöne schwächen die harten Strukturen ab und sorgen für den notwendigen Komfort in Wohnzimmern. Wollteppiche, Kissen und Leinenvorhänge eignen sich zum Abschwächen des Halls, den Betonwände verursachen können. Verwenden Sie zum Finish eine matte Versiegelung, wirken Sie Blendungen von warmem Licht entgegen.
Zudem können Sie matte Metalle wie gebürsteten Edelstahl einsetzen, um den Raum ruhig zu halten. Das Material eignet sich beispielsweise für Griffe an einem mit glattem Beton gestalteten Sideboard. Pflanzen wie Monstera bilden einen starken Kontrast zur Betonoptik. Zudem empfehlen sich für Wohnzimmer mit Betonoptik-Wänden in Korb- oder Terrakottatöpfen gepflanzte Eukalyptusbäume, Farne und Efeututen.
Häufige Fehler bei der Umsetzung
Bei der Gestaltung von Wänden in Betonoptik können diverse Fehler geschehen. Dies hat Auswirkungen auf das Endergebnis. Ein oft gemachter Fehler ist es, den Untergrund nicht ausreichend vorzubereiten. Für ein hervorragendes Ergebnis muss dieser saugfähig und tragfähig sein. Auch Unebenheiten und schmutzige Untergründe führen dazu, dass die Spachtelmasse nicht ausreichend haftet, oder reißt. Zudem können bei nicht richtiger Verarbeitung Flecken entstehen. Ein gutes Ergebnis erreichen Sie, wenn Sie die Wand glatt schleifen und mit Tiefengrund vorbehandeln. Vor dem Auftragen der Grundierung muss die Wand trocken sein.
Beim nächsten Schritt, dem Spachteln, liegen die häufigsten Fehler in einem zu dicken Auftrag. Dadurch geht die typische Betonstruktur verloren. Das Ergebnis wirkt wie gestrichen und nicht wie gespachtelt.
Zudem sollten Sie Fehler beim Anrühren der Spachtelmasse vermeiden. Diese sollte zu einer homogenen Masse verarbeitet werden, um Farbunterschiede und eine ungleichmäßige Textur zu vermeiden.
Vermeiden Sie beim Spachteln Zugluft und starke Hitze, denn dann trocknet die Spachtelmasse zu schnell. In dessen Folge bilden sich Risse und die Masse haftet schlechter.
Auf der sicheren Seite befinden Sie sich, wenn Sie die gespachtelte Betonoptik-Wand abschließend versiegeln. Verzichten Sie darauf, können Wasserflecken entstehen. Zudem verschmutzt die Wand ohne Versiegelung schneller und der Abrieb ist größer.
